FSG GPA-djp Wochenendtagung: Demagogen entzaubern

In seinem äußerst lebendigen und informativen Workshop “Demagogen entzaubern- Umgang mit Rechtspopulismus und Demagogen” spricht Willi Mernyi, Leiter des ÖGB Referats für Kampagnen, Projekte und Zielgruppen, über den Unterschied zwischen Populismus und Rechtsextremismus, die Gefahr der Verharmlosung und verschiedene Strategien zum Umgang mit Demagogen.

Demagogen, Populisten, Rechtspopulisten und Rechtsextreme

“Demagogen” sind einflussreiche und rhetorische geschulte Redner, die der Masse schmeicheln, indem sie an Gefühle, Instinkte und Vorurteile appellieren. Sie übertreiben Wahres und vereinfachen gekonnt die oft sehr komplexen politischen Zusammenhänge. Um ihre politischen Ziele zu verfolgen, machen sich Demagogen der Volksverhetzung und der Lüge schuldig. Dazu kommt, dass sie ihre Art und Weise zu denken als die einzig wahre darstellen und die Möglichkeit anderer Sichtweise schlichtweg bestreiten.“Rechtsextrem” sind alle jene geistigen und politischen Bewegungen, die versuchen, demokratische Grundsätze durch autoritäre Vorstellungen zu ersetzen und Gewalt sowie Neofaschismus gutheißen.

Im Unterschied dazu beschreibt der Begriff “Populismus” eine Politik, die sich darum bemüht, möglichst breite Zustimmung in der Bevölkerung zu finden, “volksnah” zu sein und die Stimmungen der Unzufriedenheit sowie akute Konfliktlagen aufzugreifen. “Populismus”, so wird Willi Mernyi nicht müde zu betonen, “ist für sich alleine genommen nicht unbedingt etwas Schlechtes. Es gibt auch Linkspopulisten wie z.B. Osker Lafontaine, Fidel Castro und Peter Pilz.” Problematisch wird es seiner Meinung nach dann, wenn der Begriff “Populismus” dazu verwendet wird, “Rechtsextremismus” und “Neonazismus” zu verschleiern.

Populismus nur in der Opposition

Willi Mernyi zufolge zeichnet sich Populismus durch eine klare Protesthaltung gegenüber dem politischen Establishment aus. Diese Protesthaltung ist der Grund, warum Populismus eine Strategie ist, die nur in der Opposition wirklich gut funktionieren kann: “Den Regierungsparteien nimmt man eine solche Einstellung einfach nicht ab. Da sagen die Leute dann: Wenn es euch so stört, dann macht es doch einfach anders.”, so der Leiter des ÖGB Kampagnienbüros.

Die -Wir
Das Menschbild der Rechten veranschaulicht Meryni mit dem Bild von zwei, in sich abgeschlossenen, von einander völlig unabhängigen und durch eine klare Distanz voneinander getrennten Kreisen. Die Kreise sind mit “Die” und “Wir” überschrieben und machen deutlich, warum es im Denksystem der Rechten keinen Platz für ein miteinander geben kann. Denn fällt die Distanz zu den – oft als minderwertig empfundenen- Anderen weg, dann geht den Rechten damit gleichzeitig auch immer die Selbst-Definition verloren. Das ist schmerzhaft und deshalb werden sie sich eines solchen Eingriffes in die eigene Persönlichkeitsstruktur auch nach Leibeskräften erwehren.

Nix mit WIN/WIN
Willi Mernyi zufolge ist dieses dualistische Weltbild der Grund dafür, warum es so schwierig ist, den Rechten mit logischen Argumenten beizukommen: Was nicht ins Denk-Konzept hineinpasst, wird schlichtweg bestritten. Auch geht es Demagogen in der Konfrontation nicht darum, uns mit Inhalten zu überzeugen. Im Gegenteil: Beim Demagogischen Angriff dreht alles um die Leute die zuschauen, das Publikum. Dieses möchte der Demagoge für sich gewinnen und das geht nur, indem er seine GegnerIn “rhetorisch besiegt”. “Da ist nix mit Win/ Win”, bringt es Merny pointiert auf den Punkt.
Der Drei-Phasige Demagogenkonter
Demagogen wollen nicht überzeugen, sondern die Konfrontation gewinnen. Eine reine Inhaltsreaktion à la “Das stimmt so ja gar nicht” oder “Das glaubt doch niemand” verfängt deshalb bei rechtspopulistischen Angriffe oft nur wenig. Um den Rechten nicht ungeschlagen das Feld zu überlassen empfiehlt der ÖGB Kampagnien-Chef daher den “Dreiphasigen Demagogenkonter”. Dieser besteht aus den drei Teilen Demagogenstopp, Antidemagogenüberleitung und Argumente.

Beim „Demagogenstopp“ geht es darum, den Demagogen in seinen Ausführungen zu unterbrechen und die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen auf sich zu lenken. Dazu genügt ein einfaches “Stopp!”, “Genug!”, “Halt!” oder “Schluss!”

Hat man erst einmal die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gelenkt, dann kann man zur „Anti- Demogogen-Überleitung“ übergehen. Sie hat das Ziel, das dualistische Weltbild des Demagogen zu entlarven. Die Welt ist nun einmal mehr als bloß schwarz-weiß und daran heißt es die ZuhöhrerInnen jetzt zu erinnern. Die Generalisierungen und Übertreibungen des Demagogen müssen aufgelöst werden und Willi Mernyi nennt einge Möglichkeiten wie das gehen kann.

Man kann die Aussagen des Demagogen durch Übertreiben ins Lächerliche ziehen, Ausnahmen erfragen, ungefragt Zusatzinformationen anbieten oder auch ganz einfach seine negativen Beweggründe und Motive darlegen. Wichtig ist es, dass jedeR Einzelne seine eigenen Strategien entwickelt, mit denen er sich auch wohlfühlt. “Manche tun sich leichter beim Übertreiben, während für andere das intelligente Nachfragen vielleicht der bessere Weg ist”, so Mernyi.

Hat man Demagogenstopp und die Anti-Demagogen-Überleitung erfolgreich hinter sich gebracht, dann ist es Zeit für Argumente, Beispiele und Fakten um die ZuhöhrerInnen zu überzeugen. “Ohne Fakten und Inhalte geht es nicht! Aber das ist sowieso unsere Stärke! Wichtig ist nur, diese so zu präsentieren, dass das Gegenüber auch etwas damit anfangen kann.” , so der ÖGB Kompagnien-Chef abschließend.

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Über Werner Drizhal

Den Lehrberuf "Elektromechaniker für Starkstrom" in der AMAG-Ranshofen erlernt. Als Jugendvertrauensratsvorsitzenden zum ÖGB-Oberösterreich als Jugendsekretär gewechselt. Nach Absolvierung der Sozialakademie als ÖGB-Bezirkssekretär für Linz-Land gearbeitet. 1996 bis 1999 Mitglied eines OE-Teams der ÖGB-Zentrale, wo ich mich mit Organisationsentwicklung der ÖGB-Bezirkssekretariate und Mitwirkungsfragen von FunktionärInnen in der Gremienarbeit beschäftigte. 1999 in die ÖGB-Zentrale als Personalentwickler gewechselt. Hauptverantwortlich für die Einführung von MitarbeiterInnengesprächen im ÖGB. Umsetzung von professionellen Personalinstrumenten in der ÖGB-Zentrale. Ausbildung in systemischen Coaching und Erlebnispädagogik absolviert. 2007 Wechsel in die Bildungsabteilung der GPA-djp. Zur Zeit Leiter des Geschäftsbereichs Bildung - Gewerkschafts- und Personalentwicklung in der GPA-djp.

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