Die Wirtschaftskrise trifft besonders die jungen Menschen hart. 41.250 Personen zwischen 15 und 24 Jahren sind Ende August 2009 auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. 8.538 Jugendliche wollen eine Lehre beginnen. Schon vor der Krise war es teilweise schwierig, einen Ausbildungsplatz im gewünschten Lehrberuf zu bekommen, doch die wirtschaftliche Situation der letzten Monate hat die Situation noch verschärft. Das, von der Regierung beschlossene, Jugendbeschäftigungspaket soll Abhilfe schaffen.
Seit Jahren schon werden zu wenig Lehrlinge von den Unternehmen ausgebildet, während sie über den Facharbeitermangel lamentieren. Anstatt sich an den Kosten der Berufsausbildung zu beteiligen, soll die öffentliche Hand zur Kasse gebeten werden. Das geht so nicht! Trotzdem ist für die betroffenen Jugendlichen ein Platz in einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte oft die letzte Option, doch noch eine Berufsausbildung machen zu können beziehungsweise diese zu beenden.
Überbetriebliche Ausbildung
Wer keine Lehrstelle finden kann, wird über das Arbeitsmarktservice in eine überbetriebliche Einrichtung vermittelt. Am Beginn steht eine mehrwöchige Berufsorietierungs- und Coachingphase. Viele Jugendliche orientieren sich bei der Wahl ihres Berufes immer weniger an ihren Talenten und Wünschen, sondern nehmen jede Lehrstelle, die sich ihnen bietet. Das ist zwar in diesen Zeit mehr als verständlich, aber bei einer falschen Ausbildung, die den eigenen Fähigkeiten nicht entspricht, ist es längerfristig schwierig den Arbeitsplatz auch zu behalten. Jugendliche sollten einen Beruf lernen, der sie oder ihn auch tatsächlich interessiert. Berufliche Aufstiegschancen und Erfolg kann nur jemand haben, der seine Arbeit auch gerne macht.
Mehr Lehrstellen
Eine neue Förderung soll die Zahl der offenen Lehrstellen erhöhen und Unternehmen, die bis jetzt noch keine Lehrlinge ausgebildet haben, dazu ermuntern. Die Föderrichtliche sieht eine Basisförderung vor und zusätzliche, je nach Lehrjahr und Erfolg des Lehrlings, gestaffelte Beiträge. Geld gibt es für neu gegründete Unternehmen, jene die einen neuen Ausbildungsbescheid erlangen oder Betriebe die, nach drei oder mehr Jahren Unterbrechung, wieder mit der Ausbildung beginnen. In der Mitte der Lehrzeit ist ein Praxistest geplant, um den Wissenstand der Jugendlichen und damit die Qualität der geförderten Ausbildung zu überprüfen. Bei gutem Abschneiden sind zusätzliche Zahlung in Höhe von 3.000 Euro an den Betrieb vorgesehen.
Gut durchdacht?
Aus gewerkschaftlicher Sicht ist es zweifelsfrei zu begrüßem, wenn durch diese Förderung zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden. Es stellt sich aber schon die Frage, ob man Unternehmen wirklich aus öffentlichen Geldern dafür belohnen muss, dass sie ihre Facharbeiter gut ausbilden? Immerhin besteht ja auch ein nicht zu geringes Eigeninteresse des Unternehmens, an qualifizierten MitarbeiterInnen. Darüber hinaus ist auch nicht in Ordnung, dass der Lehrling, der sich in seiner Freizeit sorgfältig auf den Zwischentest vorbereitet und dann gut abschneidet, keinen einzigen Cent der Prämie erhält.
Jetzt handeln!
Die Auswirkungen, auf das Lehrstellenangebot durch die neue Förderrichtlinie, sind derzeit noch nicht abschätzbar. Es bleibt auch abzuwarten, wann sich die wirtschaftliche Situation in Österreich wieder bessern und ob dann wieder genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen werden. Wir dürfen aber gerade jetzt nicht auf die jungen Leute vergessen! Schlechte oder die falsche Ausbildung rächen sich, weil die Lehrlinge von heute die Facharbeiter von morgen sind. Die Konjunktur wird irgendwann wieder anspringen und wenn wir dann zu wenig, gute ausgebildete junge Menschen haben, könnte das verheerende Auswirkungen nach sich ziehen. Dann aber erneut über den FacharbeiterInnenmangel zu jammern, wird zu spät sein! Wir müssen jetzt ganz genau drauf achten, dass sich die geförderten Unternehmen nicht einfach nur das Geld in die Taschen stecken, sondern dass die Jugendlichen auch eine gute Ausbildung bekommen!
Sollte sich herausstellt, dass die Unternehmen, trotz der Förderung, ihren Beitrag bei der Berufsausbildung nicht leisten, muss man überlegen, ob nicht der Staat stärker als Träger der beruflichen Ausbildung aktiv wird und sich die benötigten finanziellen Ressourcen im Rahmen einer vernünftigen Steuerpolitik zurückholt.




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