Am 15. September 2008 musste die Bank Lehman Brothers Konkurs anmelden. Die US-amerikanische Regierung unternahm nichts um die Bank zu retten und es begann eine verherrende Abwärtsspirale, von der sich die Weltwirtschaft bis heute nicht erholt hat. Ganz besonders dramatisch ist die Situation für die Menschen, die aufgrund der Krise ihren Arbeitsplatz verloren haben. Der Herbst und damit die Kollektivvertragsverhandlungen stehen vor der Tür und der Ruf nach Nulllohnrunden von Seiten der Wirtschaft wird lauter.
Das vergangene Jahr stand politisch ganz im Zeichen der Wirtschaftskrise und seiner Auswirkungen auf die ArbeitnehmerInnen. Ende August waren in Österreich knapp 300.000 Personen arbeitslos. Beim Arbeitsmarktservice waren 238.803 Personen als arbeitssuchend gemeldet. 57.694 befanden sich in Schulungsmaßnahmen, um nach dem Abflauen der Krise besser ausgebildet auf den Arbeitsmarkt zurück zu kehren. Ganz besonders hart trifft es auch die Jungen, zwischen 15 und 24 Jahren. 41.250 suchen derzeit eine neue Stelle, ebenso wie 8.538 Jugendliche, die eine Lehre beginnen wollen.
Konsequenzen ziehen!
Aber auch jene, die noch einen Arbeitsplatz haben, sind von den Auswirkungen der Krise betroffen. Viele Menschen sind derzeit sehr verunsichert. Als Gewerkschaft tun wir derzeit alles, was in unserer Kraft steht, um die negativen Folgen für die unselbstständig Beschäftigten so gering wie möglich zu halten. Und wir üben Druck aus, dass politische Schlussfolgerungen aus der Krise gezogen werden und nicht das gleiche Spiel wieder von vorne beginnt.
KV-Verhandlungen
Eine ganz besondere Bedeutung kommt nun den Kollektivvertragsverhandlungen zu. Einerseits hört man seit kurzem verstärkt die Forderung nach Nulllohnrunden, gleichzeitig sind die VerhandlerInnen mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Der Begriff der Solidarität, der in den letzten Jahren des neoliberalen Kasino-Kapitalismus einen fast schon veralterten und verstaubten Beigeschmack hatte, erlebt plötzlich eine neue Blüte: Wirtschaft und auch so mache PolitikerIn fordern die unselbständig Beschäftigten dazu auf ´einen Beitrag zu leisten´ und sich in Bescheidenheit zu üben. Doch eine solche Nulllohnrunde hätte weitreichende Konsequenzen und würde sich auch auf das Einkommen der folgenden Jahre, eventuell auch auf die Pension auswirken. Es ist nicht einzusehen, dass jetzt die ArbeitnehmerInnen die Zeche für die verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten Jahre zahlen sollen. Eine Nulllohnrunde kommt für uns keinesfalls in Frage!
Zusammenstehen
Für GewerkschafterInnen schaut Solidarität anders aus. Um bei diesen Verhandlungen erfolgreich sein zu können, brauchen wir die Unterstützung aller KollegInnen. Gerade die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden hoffentlich bei Vielen einen Nachdenkprozess einleiten, ob es nicht auch aus eigenem Interesse vernünftig wäre, der Gewerkschaft beizutreten und gemeinsam für faire Rahmenbedingungen und Gehälter zu kämpfen. Und eines ist klar: Alle, die jetzt von Nulllohnrunden und ´Gürtel enger schnallen´ sprechen, weisen nicht den Weg aus der Krise, sondern verschärfen sie nur.
Nicht unsere Krise!
Diese Krise wurde, man kann es nicht oft genug betonen, nicht von den ArbeitnehmerInnen verursacht und viele Menschen sind von Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Angst um den Arbeitsplatz betroffen. Im Mai fand in Wien eine große Demonstration der Gewerkschaften unter dem Motto ´Wir zahlen nicht für Eure Krise´ statt. Dieses Motto gilt noch!
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