Den dritten und letzten Input der FSG GPA-djp Wochenendtagung bildete der Vortrag des stellv. Bundesgeschäftsführers und KV-Verhandlungsführers Karl Proyer. Inhalt waren die KV-Verhandlungen der letzten Wochen und Monate, sowie ein kurzer Rückblick auf das Gewerkschaftsjahr 2009.
Obwohl dies auf den ersten Blick sehr erstaunlich wirkt, war 2009 im Hinblick auf die Kollektivvertrags-Abschlüsse eines der erfolgreichsten der letzten 25 Jahre, so Proyer. Die sogenannte „Benya- Formel“, die bisher oft als Grundlage für die Verhandlungen diente, konnte entflechtet werden.
„Benya- Formel“
Als Anhaltspunkt für die KV-Verhandlungen dienen wirtschaftliche Kennzahlen:
Die gesamtwirtschaftliche Produktivitätssteigerung eines Jahres wird durch zwei geteilt (d.h. sowohl die ArbeitnehmerInnen als auch das Unternehmen bekommen davon die Hälfte) und mit der Inflationsrate des Jahres, ergibt sich eine wirtschaftlich verträgliche KV-Erhöhung für die unselbständig Beschäftigten. Für die KV-Verhandlungen 2009 hätte die „Benya- Formel“ aber ein Minus von 0,25 Prozent für die Beschäftigten ergeben!
Dass vor dem Hintergrund sinkender Produktivität aber trotzdem Lohnerhöhungen verhandelt werden konnten, die über der Inflation liegen, war sehr schwierig. Es ist aber, laut Proyer, ein kräftiges Lebenszeichen der Gewerkschaften in Österreich!
Überhaupt war das Jahr 2009 reich an Konflikten.
Die Beschäftigten und die Mitglieder waren eine wichtige Stütze, da diese teilweise kampfeslustiger und mutiger waren, als die GewerkschafterInnen gedacht hatten. Im Mai fand eine große Demonstration, unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure Krise!“, statt. Im IT-Bereich konnte ein erster Einstieg geschafft werden und nicht zu vergessen, natürlich auch die Konflikte im grafischen Gewerbe. Dies alles zeigt eindeutig, dass Streik möglich ist, dass es aber teilweise an zeitgemäßen Bildern und Konzepten fehlt.
Ausblick 2010
Auch im kommenden Jahr wird, Prognosen zufolge, die „Benya- Formel“ ein Minus ergeben. Das bedeutet, es wird wieder ein schwieriges Jahr für die KV-Verhandlungen werden. Die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen, besonders in gut abgesicherten Branchen. Dies heißt wiederum für die Gewerkschaften, dass es besonders wichtig sein wird, weniger gut abgesicherte Arbeitsplätze auf ein höheres Niveau zu bringen. Die Stabilisierung des Arbeitsmarktes wird voraussichtlich ebenfalls ein Schwerpunkt für 2010 werden.
„Die GPA-djp ist derzeit die wahrscheinlich erfolgreichste Gewerkschaft. Es wird auch nächstes Jahr noch einiges an Arbeit auf uns zukommen, aber ich bin zuversichtlich,“ so Proyer abschließend.
Zu den anderen Themen der FSG GPA-djp Wochenendtagung:
• Die Zukunft der Hacklerpension
• Wie sich der Neoliberalismus in den Köpfen der Sozialdemokratie einschlich ….




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